14.05.2018

„Senioren sind auf Zack“ – Große Präventionskampagne der Polizei

Fulda – Von Jasha Günther – Betrugsmaschen aufzeigen und die Verkehrssicherheit von älteren Menschen steigern – diese beiden Ziele verfolgt die osthessische Polizei mit einer großen Präventionskampagne, die sich in erster Linie an Senioren richtet. Neben Plakaten und einem „Rat und Tat“-Telefon wird es auch sechs Veranstaltungen in den osthessischen Landkreisen geben. Das Konzept wurde am Montag im Polizeipräsidium Fulda vorgestellt.


Vorträge, Informationsstände und Mitmachaktionen – das erwartet die Besucher an den sechs Veranstaltungen in Fulda, Hünfeld, Alsfeld, Rotenburg, Bad Hersfeld und Lauterbach. „Auslöser war ein Anlass im August letzten Jahres“, erläuterte der osthessische Polizeipräsident Günther Voß: „Da erbeute ein Betrüger über 250.000 Euro von einer Frau hier aus der Region.“ Der Täter hatte sich als Polizist ausgegeben, über Tage eine Beziehung zu der Frau aufgebaut und dann in mehreren Übergaben ihr gesamtes Vermögen – Geld und Wertsachen – erbeutet. „Wir wollen unsere polizeilichen Präventionsmaßnahmen der demografischen Entwicklung anpassen“, führte Voß weiter aus: „Wir möchten, dass Senioren sich weiter mobil bewegen und sicher leben können im Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen.“ Zweiter Schwerpunkt ist deshalb die Verkehrssicherheit der Generation 65-plus.


Entstanden ist die Kampagne „Mehr Sicherheit für Sie im Alter – Senioren sind auf Zack“. Viele Menschen erreichen möchte die Polizei insbesondere mit den sechs Veranstaltungen, die jeweils aus Vorträgen und einem „Markt der Sicherheit“ bestehen. „Wir werden starten am 24. Mai mit einer Auftaktveranstaltung in der Orangerie Fulda“, kündigte Projektleiterin Conny Jehnert an. Dort wird es von 14 bis 16 Uhr eine große Informations- und Fragerunde geben. Auf dem Podium werden unter anderem Voß, Kriminaldirektor Daniel Muth, Staatssekretär Werner Koch, Arzt Prof. Dr. Martin Hessmann und ein Experte für IT-Sicherheit Platz nehmen. „Das wird eine sehr spannende Runde“ verspricht Jehnert. Beim anschließenden Markt der Sicherheit können die Besucher sich weiter informieren und auch selbst aktiv werden. So gibt es unter anderem Augentests, ein Fahrradparcours, eine Fahrradcodieraktion und Informationen von VR-Bank und Sparkasse zum sicheren Online-Banking. Die Polizei ist unter anderem mit einem Alterssimulationsanzug, der die mit dem Altern einhergehenden Bewegungseinschränkungen erlebbar macht, und Reaktionstest vor Ort. Begleitet wird die Kampagne durch Plakate, mit Aufdrucken wie beispielsweise „Ich kenne meine Enkel“, „Sicher fahren wir sicher Auto“ und „An meinem Rad vergreift sich keiner“. Zudem hat das Polizeipräsidium Osthessen ein „Rat und Tat“-Telefon eingerichtet, an das sich gerade die älteren Bürger mit ihren Fragen, Ängsten und Sorgen wenden können. Wobei die Verantwortlichen betonten, dass der erste Draht beim Verdacht auf ein Verbrechen weiter der Polizei-Notruf 110 bleibe. Sogar ein eigenes Logo für die Kampagne hatte die osthessische Polizei bei der Fuldaer Agentur cre art in Auftrag gegeben.


Muth: „Wer heute noch eine Bank überfällt ist sehr dämlich“

Die Polizei habe in den vergangenen Jahren eine deutliche Verschiebung von der Eigentums- zur Vermögenskriminalität beobachtet. Wurde der Seniorin früher auf dem Bürgersteig die Handtasche entrissen, lauert die Gefahr heute beim Klingeln des Telefons. „Wer heute noch eine Bank überfällt ist sehr dämlich“, meinte Kriminaldirektor Muth mit Blick auf die sich ständig ändernden Betrugsmaschen. Waren es eine Zeit lang Schockanrufe und der sogenannte Enkeltrick, mit dem die Betrüger versuchten an das Geld zu kommen, sei in den vergangenen Jahren immer häufiger zu beobachten, dass sich die Täter als Polizeibeamten ausgeben und dabei zum Teil sogar die Namen echter Polizisten verwenden. In diesen Fällen nutzen die Betrüger das Vertrauen der Bürger in die Polizei. „Das ist für uns ein echtes Problem“, sagte Muth, der überzeugt ist, dass es für diese Art von Taten, bei denen häufig über mehrere Tage eine Beziehung zum Geschädigten aufgebaut werde, eine enorme kriminelle Energie bedürfe.


Auch an der Haustür versuchen Betrüger weiterhin, die Hilfsbereitschaft insbesondere für Senioren auszunutzen. Als Beispiele nannte Muth, dass die Täter mit der Bitte nach einem Glas Wasser oder der Toilettenbenutzung Einlass in die Wohnung begehrten und dann dort mit Hilfe eines Komplizen nach Wertsachen suchen. Betrügereien im Internet seien hingegen kein Phänomen, das sich gezielt an ältere Menschen richte, sie aber häufig auch beträfe. Muth appellierte, sich beim Verdacht eines Betrugsversuchs – egal in welcher Form – frühzeitig an die Polizei zu wenden. Zu vermuten sei, dass es bei allen Betrugsmaschen eine hohe Dunkelziffer gibt, denn die Scham der Betroffenen sei oft sehr hoch.


Unfallzahlen der über 65-Jährigen steigen

„Wir wollen das Bewusstsein stärken, dass die Verkehrstüchtigkeit mit dem Alter nachlässt“, sagte Reiner Knacker, Leiter Direktion Verkehrssicherheit/Sonderdienste: „Was wir auf keinen Fall wollen, ist die Angst, dass der Führerschein wegfällt.“ Der Wunsch von Senioren, möglichst lange mobil zu bleiben, sei gerade in ländlichen Regionen sehr nachvollziehbar. Doch der Alterungsprozess führe früher oder später zu körperlichen und geistigen Einschränkungen, die sich auf sicheres Fahren auswirken. Dass zeige sich auch an den Verkehrsunfallstatistiken, in denen die Unfallzahlen in den durch den demografischen Wandel immer größer werdenden Altersgruppen der 65- bis 74-Jährigen und über 75-Jährigen steigen. Mit der Kampagne sollen Senioren zur Teilnahme an Informations-, Trainings- und Seminarprogrammen angeregt werden.


Die Termine der Präventionsveranstaltungen in der Übersicht:

Donnerstag, 24. Mai: Fulda, Orangerie

Dienstag, 19. Juni: Hünfeld, Kolpinghaus

Mittwoch, 11. Juli: Alsfeld, Rambachhaus

Donnerstag, 23. August: Rotenburg, Bürgersaal

Mittwoch, 19. September: Bad Hersfeld, Stadthalle

Donnerstag, 25. Oktober: Lauterbach, Adolf-Spieß-Halle

Veranstaltungszeitraum ist jeweils von 14 bis 18 Uhr.

 

Weitere Links:

Artikel auf Focus.de

Artikel auf Osthessen|News

 

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